Sprachenunterricht in Luxemburg

Studienreise der Bildungsdirektorenkonferenz Zentralschweiz nach Luxemburg, 10. - 13. April 2002

Wichtigste Erkenntnisse im Hinblick auf die Entwicklung des (Fremd-) Sprachenunterrichts in der Zentralschweiz


Im Folgenden sind wichtigste Informationen und Erkenntnisse zusammengefasst, die der Bildungsregion Zentralschweiz nützlich für die Realisierung des Projekts "Englisch ab 3. Schuljahr" sein können. Der Bericht konzentriert sich bewusst auf den Aspekt des Sprachenlernen und verzichtet auf die Wiedergabe andere Eindrücke der Reise.


Luxemburg als mehrsprachiges Land
•  Sprachenkompetenz ist im Grossherzogtums Luxemburg auf Grund der Geschichte des Landes und wegen der Lage in Europa von lebenswichtiger Bedeutung. Luxemburg kennt dabei keine Sprachregionen wie die Schweiz; die Bürgerinnen und Bürger sind mehrsprachig. Im ganzen Land werden die drei Sprachen Luxemburgisch, Französisch und Deutsch gesprochen. Die drei Sprachen haben zum Teil unterschiedliche Funktionen; die Verwendung der verschiedenen Sprachen ist kontextabhängig. Luxemburgisch hat die Funktion einer Integrationssprache; sie dient hauptsächlich der mündlichen Kommunikation in Alltagssituationen und wird kaum schriftlich gebraucht. Französisch ist die Sprache des politischen Lebens, Deutsch die Sprache des kirchlichen Lebens. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation des Landes gewinnt auch das Englische immer mehr an Bedeutung. Diese alltägliche Mehrsprachigkeit ist für das Sprachenlernen gegenüber der Schweiz eine privilegierte Situation.
•  Das kleine Land zeichnet sich durch eine hohe Einwanderungsrate aus. Der Anteil fremdsprachiger Schülerinnen und Schüler ist mit durchschnittlich 50% sehr hoch.
 


Sprachen in Luxemburgs Schulen
•  Kinder können vom dritten Altersjahr in eine Früherziehungs-Institution einzutreten. 80% der Eltern nehmen diese Gelegenheit wahr. Zwei Jahre Vorschule (4. und 5. Altersjahr) sind obligatorisch, mit 6 Jahren beginnt die Schule.





•  In der Früherziehung (ab 3. Altersjahr) und der Vorschule (4. und 5. Altersjahr) werden die Kinder in Luxemburgisch unterrichtet; der Unterricht in der Vorschule beinhaltet auch gezielte Sprachschulung. Das ist insbesondere für die Integration der vielen Immigrantenkinder von zentraler Bedeutung.
•  In der Primärschule ist Deutsch die Unterrichtssprache. Bereits in der zweiten Klasse beginnt der Französischunterricht. In der Stundentafel haben die Sprachen einen grossen Stellenwert: Deutsch wird in den ersten beiden Schuljahren mit 8 Wochenlektionen unterrichtet, später mit 5 Wochenlektionen. Französisch wird von der dritten bis zur sechsten Klasse mit 7 Wochenlektionen unterrichtet.




•  Auf der Sekundarstufe I wird zuerst das Fach Mathematik in der 7. Klasse auf Französisch unterrichtet; in den übrigen Fächern bleibt Deutsch vorläufig noch die Unterrichtssprache. Von der 8. Klasse an ist dann grundsätzlich Französisch Unterrichtssprache.





Ausbildung der Lehrinnen und Lehrer
•  Die hohe Sprachkompetenz der Lehrpersonen ist auffallend. Voraussetzung für die Zulassung der Lehrerinnen und Lehrer zum Unterricht ist eine Prüfung in zwei Sprachen. Jede Lehrperspon muss sich ausweisen, dass sie fähig ist, in zwei Sprachen zu unterrichten. Von diesen restriktiven Anforderungen an die Lehrpersonen wird auch vor dem Hintergrund des bestehenden Lehrermangels nicht abgewichen.
•  Die Ausbildung für die Primarlehrpersonen dauert vier Jahre auf Teriärstufe. Die Ausbildung kann im Lande absolviert werden; obligatorisch ist für alle Studentinnen und Studenten ein Auslandaufenthalt von mindestens drei Monate.
•  Lehrerstudentinnen und - Studenten der Sekundarstufen I und II müssen drei Jahre Sprachfächer an einer ausländischen Universität im Zielsprachbereich studieren.



Zusammenfassendes Fazit
•  Unsere Eindrücke aus Luxemburg bestätigen, dass der frühe Unterrichtsbeginn einer Fremdsprache mit hoher Intensität für den Aufbau der Sprachkompetenz Vorteile bringt. Erstaunlich ist, wie akzentfrei die Schülerinnen und Schüler bald sprechen; hier wirken die hohe Sprachkompetenz der Lehrpersonen und auch die hohe Lektionendotation positiv aus.
•  Die Gespräche mit Schülerinnen und Schüler sowie die Beobachtungen im Unterricht bestätigen, dass eine allgemeine Überforderung der Primarschülerinnen und -schüler durch einen früh beginnenden Fremdsprachenunterricht auch bei zwei Fremdsprachen nicht zu erwarten ist. Wichtig ist jedoch eine ausgewogene Lektionentafel und eine sorgfältige Sprachdidaktik, die dem jeweiligen Alter der Kinder entspricht.


Als Erfolgsfaktoren für einen wirkungsvollen frühen Fremdsprachunterricht stellen wir fest:
•  eine frühe, bewusste Sprachschulung (nicht nur für Immigrantenkinder, aber speziell auch für diese) in der lokalen Umgangssprache, die bereits in der Vorschule beginnt; dies als Basis für einen erfolgversprechenden Erwerb einer Fremdsprache;
•  eine hohe Sprachkompetenz der Lehrpersonen in der zu unterrichtenden Fremdsprache;
•  einen hohen Stellenwert des Sprachunterrichts in der Stundentafel, besonders in den ersten Jahren des Unterrichts in einer neuen Fremdsprache;
•  eine Sprachdidaktik, die neben einer kommunikationsorientierten Ausrichtung auch bewusst auf sprachformale Kenntnisse und Fertigkeiten Wert legt.



Als Konsequenzen für die Einführung einer zweiten Fremdsprache an unseren Primarschulen sehen wir

•  die Notwendigkeit, bereits früh mit einer bewussten und systematischen Sprachschulung zu beginnen. Das bedingt einen frühen Eintritt in einen zweijährigen Kindergarten sowie die Einführung entsprechender Schulungselemente in die Vorschuldidaktik;
•  die Notwendigkeit, von angehenden Primarlehrerinnen und -lehrern ein hohes Kompetenzniveau in einer der an der Primarschule zu unterrichtenden Fremdsprachen zu verlangen; diese Anforderung darf auch nicht der Angst vor einem eventuellen Lehrermangel preisgegeben werden.
•  die Notwendigkeit, den Anfangsunterricht in einer Fremdsprache mit einer genügenden Anzahl von Wochenlektionen auszustatten; dies macht eine integrale Überprüfung der heutigen Stundentafel nötig.


Christoph Mylaeus-Renggli / Willi Stadelmann
Juni 2002






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Kanton Thurgau:
Englisch ab 2009


Der Regierungsrat des Kantons Thurgau hat beschlossen, ab dem Schuljahr 2009/2010 das Fach Englisch in der Primarschule einzuführen. Ab August 2009 werden die Drittklässler mit drei Lektionen starten. Französisch werden die Kinder weiterhin ab dem fünften Schuljahr lernen.
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Keine Initiative in Luzern

Der LLV hat an seiner Verbandsratssitzung vom 14. März den Rückzug der Initiative aus „staatspolitischer Verantwortung“ beschlossen. Somit wird auch für Luzern das Modell 3/5 umgesetzt.
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Kanton St. Gallen: Lehrmittel Englisch Primarschule

Der Erziehungsrat Des Kantons St. Gallen hat an der Sitzung vom 24. Januar 2007 beschlossen, als Englischlehrmittel für die Primarschule ab dem Schuljahr 2008/09 die Lehrmittel "Young world 3-6" aus dem Klett-Verlag einzusetzen. mehr ...